Ein Dinosaurierskelett kann den ganzen Nachmittag tragen. Vorausgesetzt, niemand zieht nach zwei Minuten weiter, weil auf dem Plan noch zwölf andere Säle stehen. Im Naturhistorischen Museum Wien ist die Auswahl so groß, dass die wichtigste Vorbereitung erstaunlich klein ausfallen darf: Welche Frage möchten wir heute mitbringen? Vielleicht interessiert ein Kind, wie ein Tier mit einem derart langen Hals leben konnte. Vielleicht möchte es einen Stein sehen, der nicht von der Erde stammt. Beides ist ein guter Anfang.

Das Haus lässt sich als große Sammlung besuchen, aber auch als Ort für eine einzelne Untersuchung. Für einen Familienausflug empfehlen wir die zweite Variante: ein gewünschtes Ziel, Zeit zum Beobachten und eine mögliche Zugabe. Das ist ein redaktioneller Vorschlag, keine vorgegebene Museumsroute. Ihr dürft ihn verkürzen, umdrehen oder bei der ersten Vitrine vergessen, die euch wirklich interessiert.

01 / GENAU HINSEHEN

Bei den Dinosauriern genauer hinsehen

Im Sauriersaal stehen die großen Skelette von Diplodocus, Allosaurus und Iguanodon auf einem zentralen Podium. Sie lassen sich von verschiedenen Seiten betrachten. Schon das schafft eine einfache Aufgabe: Sucht euch ein Skelett aus und schaut zunächst auf die Füße, dann auf die Wirbelsäule und schließlich auf den Kopf. Welche Körperteile fallen besonders auf? Was lässt sich tatsächlich erkennen, und was vermutet ihr nur?

Jüngere Kinder können Größen und Formen vergleichen. Ältere können überlegen, welche Informationen Knochen überhaupt liefern. Die Antwort muss nicht sofort feststehen. Ein gemeinsam gelesenes Schild hilft weiter; eine offene Frage lässt sich auch mitnehmen. Wer bereits viele Dinosauriernamen kennt, bekommt eine andere Rolle: nicht alle Namen aufsagen, sondern ein Detail zeigen, das die anderen sonst übersehen hätten. So kann vorhandenes Wissen den gemeinsamen Blick erweitern.

Die Ausstellung zeigt außerdem ein bewegliches Allosaurusmodell. Für Kinder, die große oder bewegte Tierdarstellungen unheimlich finden, ist es sinnvoll, diesen Teil zunächst gemeinsam aus etwas Entfernung anzusehen. Aus dem Interesse an Dinosaurierbüchern folgt schließlich nicht automatisch, dass jede Darstellung in Lebensgröße angenehm ist. Weiterzugehen ist jederzeit eine gute Entscheidung; aus einer Begegnung muss keine Mutprobe werden.

Das Skelett eines Allosaurus im Naturhistorischen Museum. Archivaufnahme von 2013.
Das Skelett eines Allosaurus im Naturhistorischen Museum. Archivaufnahme von 2013. Foto: Wolfgang Sauber

02 / EIN STÜCK WELTRAUM

Ein Stück Weltraum als zweites Ziel

Der Meteoritensaal eröffnet einen anderen Zugang: Hier stehen kleine Gegenstände für gewaltige Entfernungen. In Saal 5 befindet sich die öffentlich ausgestellte Meteoritensammlung. Statt möglichst viele Stücke anzuschauen, könnt ihr zwei auswählen und miteinander vergleichen. Wirken sie gleichmäßig oder unregelmäßig? Wie unterscheiden sich Oberfläche und Schnittfläche, wenn beides sichtbar ist? Welche Angaben am Objekt helfen euch, mehr darüber zu erfahren?

Diese kleine Suche funktioniert ohne Quizbogen. Ein Kind beschreibt ein Stück, die anderen versuchen es unter den benachbarten Objekten wiederzufinden. Dabei gelten die Regeln vor Ort: beobachten und beschreiben, nichts anfassen, sofern eine Station das nicht ausdrücklich erlaubt. Die Frage, wie Forschende Herkunft und Geschichte eines Meteoriten untersuchen, kann für ältere Kinder der interessantere Anschluss sein als ein Wettbewerb um das größte Exemplar.

Gemeinsam unterwegs, verschieden interessiert

Bei Geschwistern müssen sich die Lieblingsthemen nicht decken. Vereinbart deshalb vor dem Besuch, wer das erste Ziel aussucht und wer die mögliche zweite Station bestimmt. Zwei Erwachsene können sich mit den Kindern zeitweise unterschiedlich orientieren, wenn das zu eurer Familie passt. Mit einer Begleitperson ist eine kurze gemeinsame Auswahl meist leichter als der Versuch, ständig zwischen weit auseinanderliegenden Wünschen zu wechseln.

Auch die Art des Mitmachens darf verschieden sein. Ein Kind zeichnet eine Form in ein kleines Heft, ein anderes beschreibt sie, ein drittes möchte nur schauen. Der Museumsbesuch braucht kein sichtbares Ergebnis. Wer etwas festhalten möchte, kann eine einzige Frage notieren, die zu Hause weiterverfolgt wird. Das ist oft nützlicher als eine ganze Liste von Namen, die sich nach dem Ausgang schon wieder vermischt.

Architektonisches Detail am Naturhistorischen Museum Wien.
Architektonisches Detail am Naturhistorischen Museum Wien. Foto: Hubertl

DER BESUCH DARF KLEIN BLEIBEN

Der Rahmen entscheidet mit

Prüft vor dem Aufbruch die aktuellen Besuchsinformationen und den Museumsplan auf der offiziellen Website. Wenn eine bestimmte Führung oder ein Workshop den Anlass bildet, schaut zusätzlich auf die Altersangabe, die Buchungsbedingungen und den konkreten Treffpunkt. Das NHM bietet unterschiedliche Vermittlungsformate; ein Angebot für Schulgruppen ist nicht automatisch ein frei zugängliches Familienprogramm. Auch Sonderausstellungen und zusätzliche Angebote sollten getrennt vom allgemeinen Museumsbesuch geprüft werden.

Plant eine Pause, bevor ihr sie dringend braucht, und entscheidet anschließend neu. Die zweite Station ist eine Möglichkeit, keine Verpflichtung. Für unseren Vorschlag braucht ihr weder alle Säle noch einen möglichst langen Aufenthalt. Wenn ein Kind am Ende erklären kann, welches Detail am Skelett es überrascht hat oder warum es einen bestimmten Meteoriten wiedererkennen würde, ist aus dem großen Haus bereits ein eigener Ort geworden.

Vor dem Besuch

Aktuelle Öffnung, Eintritt, Museumsplan und Programme findet ihr beim Naturhistorischen Museum Wien. Details zu den beschriebenen Sammlungsbereichen stehen auf den offiziellen Seiten zum Sauriersaal und zur Meteoritensammlung. Die Beobachtungsaufgaben in diesem Artikel stammen von der WIRWO-Redaktion.