Ein Schnitzeisen setzt eine Kante ins Holz. Aus einem Klumpen Ton wird eine Tasse mit ziemlich eigenwilligem Henkel. Und im Zirkuskurs entscheidet ein Kind selbst, an welchem Trick es weiterarbeiten möchte. Drei Wiener Angebote, bei denen Kinder etwas in die Hand nehmen und ihren eigenen Zugang finden können – mit sehr unterschiedlichen Materialien, Abläufen und Zeitbudgets.

Die Auswahl reicht von einem einzelnen Werkstattnachmittag bis zum regelmäßigen Training. Entscheidend war für uns jeweils eine konkrete Besonderheit: die Arbeit bei einer Bildhauerin, das Formen eines eigenen Keramikstücks oder die selbst gewählte Bewegung im Zirkus. Das macht die drei Orte auch untereinander gut vergleichbar. Wer einen ersten Versuch sucht, braucht andere Bedingungen als ein Kind, das über Monate an einer Sache dranbleiben möchte.

HolzHandWerkWien · ein Nachmittag bei der Bildhauerin

In der Weißgasse in Hernals arbeitet Astrid Unterberger als Bildhauerin. Einen Teil ihrer Schnitzeisen hat sie von ihrem Großvater, weitere stammen von ihrem Ausbildner. Bevor sie sich selbstständig machte, legte sie die Meisterprüfung ab. Der Kinderkurs findet damit an einem Ort statt, an dem Holz auch außerhalb des Kursbetriebs zum Beruf gehört.

Hände bearbeiten ein Holzrelief mit Schnitzeisen und Klüpfel.
Schnitzeisen und Klüpfel bei der Arbeit am Holzrelief. Aufnahme aus dem offiziellen Kursauftritt von HolzHandWerkWien. Quelle: HolzHandWerkWien

Beim Angebot Kinder schnitzen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Werkstoff kennen und fertigen ein kleines Werkstück. Material und Werkzeuge gehören zum Kursangebot; die Anleitung übernimmt Unterberger. Für den Kindernachmittag sind drei Stunden vorgesehen. Das gibt dem Material mehr Raum als eine kurze Bastelstation zwischen zwei anderen Programmpunkten.

Interessant ist dieser Einstieg vor allem für Kinder, die wissen möchten, wie eine Form durch Wegnehmen entsteht. Bei Ton lässt sich etwas ansetzen; beim Schnitzen verändert jeder Schnitt das Ausgangsstück. Genau dieser Unterschied macht die Auswahl zwischen den beiden Werkstätten reizvoll.

Ab neun Jahren; jüngere Kinder nur mit Begleitung. Eine zusätzliche untere Altersgrenze nennt die Kursseite nicht – bei Jüngeren vorher nachfragen. Weißgasse 3, 1170 Wien. Einzelne Kinderkurstermine mit Anmeldung. Die offene Werkstatt ist ein eigenes Angebot für Personen, die bereits einen Schnupper- oder Wochenendkurs besucht haben, ebenfalls nur nach Absprache. Kinderkurse und Anmeldung

Töpferei Wien · erst formen, dann Farbe

Eine Tierfigur oder eine Müslischüssel beginnt hier als Ton. Bei Modellieren4Kids formen Kinder ihr eigenes Stück und bemalen es anschließend. Die Kursleitung unterstützt bei der Arbeit. Das ist ein wichtiger Unterschied zum Bemalen fertig gekaufter Keramik: Auch die Form entsteht in den eigenen Händen.

Die Töpferei unterscheidet außerdem zwischen Modellieren und einem eigenen Kinderangebot an der Drehscheibe. Wer beim Wort Töpfern sofort die rotierende Scheibe vor Augen hat, sollte deshalb auf den Kurstitel achten. Beim Modellieren lässt sich eine Idee direkt aufbauen, etwa als Tierkörper oder kleines Gefäß. Beide Techniken haben ihren Reiz; sie sind aber verschiedene Erlebnisse.

Nach dem Kurs übernimmt das Team Glasur und Brände. Das fertige Stück wird später abgeholt. Für einen ersten Termin bedeutet das: Die Arbeit ist nach dem Formen und Bemalen noch nicht abgeschlossen, und die neue Schüssel fährt nicht gleich im Rucksack mit heim.

Sechs bis 14 Jahre, eineinhalb Stunden. Eltern können einen eigenen Kursplatz buchen und mitarbeiten; bloßes Mithelfen ohne Buchung ist nicht vorgesehen. Alternativ werden die Kinder nach dem Kurs abgeholt. Studios in der Hernalser Hauptstraße 191, 1170 Wien, und der Josefstädter Straße 29, 1080 Wien. Standort und verfügbare Termine werden bei der Buchung ausgewählt. Modellieren4Kids buchen

Circus KAOS · selbst entscheiden, woran man übt

Bei KAOS beginnt die Kurseinheit gemeinsam: Spiel, Aufwärmen, Übungen für Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Danach verändert sich der Rhythmus. Die Kinder wählen Geräte und Stationen selbst aus, bleiben unterschiedlich lange dabei und entscheiden, welche Übungen und Tricks sie lernen möchten.

Die Betreuerinnen und Betreuer sind den Bewegungsbereichen zugeordnet. Sie unterstützen, übernehmen Sicherung und achten auf Regeln. Diese Verbindung aus einem vorbereiteten Rahmen und eigener Entscheidung ist das Bemerkenswerte am beschriebenen Ablauf. Wer an einer Bewegung länger tüfteln möchte, muss während dieser Phase nicht mit der ganzen Gruppe zur nächsten Station wechseln.

Die regulären Zirkuskurse richten sich an Sieben- bis 19-Jährige. Sie laufen über das Semester, unter anderem im Campus Donaufeld, Donaufelder Straße 77, und in der Sportmittelschule am Kaisermühlendamm 2. Einstieg, passende Gruppe und freie Plätze über das Anfrageformular klären. Zusätzlich gibt es Zirkuslandschaften mit eigenen Altersgruppen, auch für Jüngere. Kurse und Gruppen ansehen

Auf der Website findet sich auch ein Open Space Training. Dort wird ausdrücklich ohne Anleitung trainiert. Für den ersten begleiteten Versuch mit Kindern sind deshalb die beschriebenen Kurse der passendere Ausgangspunkt.

Recherche anhand der offiziellen Anbieterinformationen, geprüft am 23. Oktober 2026. Kein redaktioneller Vor-Ort-Besuch; freie Kursplätze wurden nicht bestätigt.